Die Gemeinde

Geschichtlicher Abriss über die Entstehung der Gemeinde Twist

Die ersten Ansiedlungen im Raum Twist erfolgten im Jahre 1775 durch die Regierung der damaligen Grafschaft Bentheim am südwestlichen Ufer des Grenzflusses Aa mitten im Moor (Adorf). 1784 erfüllte dann der Münstersche Fürstbischof Max Franz die Wünsche von Heuerleuten aus dem Emsdorf Hesepe, in der abgelegenen Mark, d.h. im Hochmoor auf dem "Twist" ebenfalls siedeln zu dürfen. Damit nahm die Besiedelung entlang der Aa vor allem im Bereich des heutigen Straßenzuges "Alt-Hesepertwist" ihren Lauf. Weitere Koloniegründungen erfolgten 1788 im Bereich von "Alt-Rühlertwist" sowie in Hebelermeer. Von den Münsterschen Gründungen 1784/88 ging noch 2011 die spektakuläre Jubiläumsfeier „225 Jahre Twist“ aus. Tatsächlich können unter Berücksichtigung der Bentheimschen Gründung von Adorf die Anfänge der Gemeinde um ein Jahrzehnt vorverlegt werden (vgl. Text zur Gemeindereform 1974).

Die relativ späte Besiedelung der Gegend am Ende des 18. Jahrhunderts war geprägt von einer äußerst bescheidenen Lebensführung der Menschen unter vielen Entbehrungen. Die Beschaffenheit des kargen Moorbodens ermöglichte kaum die Existenz. Buchweizen, Heidschnucken und Bienen lieferten kärgliche Lebensgrundlagen. Nach einigen Jahrzehnten einsetzende Hungersnöte führten zur Auswanderung. So verließen im Herbst 1840 sechzig Twister das Emsland, um nach langer Seereise mit dem Segelschiff „Rebecca“ in den Vereinigten Staaten von Amerika eine neue Heimat zu finden. Eine größere Gruppe siedelte gemeinsam in Taos/Missouri.
Eine entscheidende Verbesserung der Lebensbedingungen trat nach der Fertigstellung des Süd-Nord-Kanals um das Jahr 1892 ein. Der längs durch das heutige Gemeindegebiet verlaufende Kanal diente zur Entwässerung des Hochmoores und als Schifffahrtsweg. Damit wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts großflächige Abtorfungen und die Versorgung der Moorbauern mit Kunstdünger möglich. Mit der Erschließung der Erdölfelder Rühlermoor und Rühlertwist in den frühen 1950er Jahren begann ein Aufschwung, der von weiteren Gewerbe- und Industrieansiedlungen begleitet wurde.
Zum 1. August 1964 schlossen sich die Gemeinden Hesepertwist und Rühlertwist auf freiwilliger Basis zur neuen Gemeinde Twist zusammen. Im Jahre 1968 vergrößerte sich diese um den heutigen Ortsteil Schöninghsdorf, der sich ebenfalls aus eigener Initiative mit der jungen Gemeinde zusammenschloss. Im Zuge der Nieders. Verwaltungs- und Gebietsreform wurde Twist am 1. März 1974 mit vier weiteren Nachbargemeinden, nämlich den heutigen Ortsteilen Adorf, Hebelermeer, Neuringe sowie Rühlermoor/-feld (zuvor Ortsteil der Gemeinde Emslage), zu einer Einheitsgemeinde mit rd. 7.900 Einwohnern auf einer Flächengröße von rd. 106 km² zusammengeschlossen.

Hinweis:
Neuere Erkenntnisse zur Gemeindegründung finden sich in der aktuellen 124-seitigen Festschrift „Moor ohne Grenzen – 225 Jahre Twist“. Diese kann zum Preis von 10 Euro bei der Gemeinde angefordert werden.